
Das Blaue vom Himmel
Wie wir ein Heft über eine Farbe gemacht haben
Ein Mal im Jahr treffen wir uns in einer grösseren Runde und sprechen über die Themen des nächsten «Terra Grischuna»-Jahres. Als ich zum ersten Mal vorschlug, ein Heft über die Farbe Blau zu machen, gingen bei einigen Mitdenkern die Augenbrauen hoch – wie soll das gehen? Die andere Hälfte war der Idee zugetan. Also landete «Blau» auf der Long-List, einer Liste mit Themen, die man irgendwann umsetzen könnte. Irgendwann.
Als regelmässige Leserin oder Leser der «Terra Grischuna» kennen Sie die typischen Themenhefte: Wir widmen uns hin und wieder einem Jubiläum, regelmässig einer bestimmten Region, ab und an einer Tradition oder einem touristischen Bereich. Aber einer Farbe? Das klingt abstrakt. Eine Farbe hat keine Grenzen, keine Adresse, keinen Geburtstag. Sie ist überall – und deshalb fragten sich damals einige zu Recht: Worüber schreibt man dann eigentlich?
Es stellte sich heraus: über sehr viel.
Über eine Biene, die das Blau ganz anders sieht als wir. Über einen Mann aus dem Unterengadin, der Steine zermalmt und daraus Pigmente presst. Über das rätoromanische Wörterbuch, das zeigt, was «blau» noch alles bedeuten kann – und über eine Schriftstellerin aus dem Engadin, für die Blau seit Jahrzehnten die Farbe des Denkens ist. Über einen Churer Maler, der zum ersten Mal das Meer sah. Und über den Bündner Blauburgunder, der seit Jahrhunderten in der Herrschaft wächst – und immer noch unterschätzt wird.
Die hochgezogenen Augenbrauen damals hatten in einem Punkt recht: Das Thema ist schwieriger als ein Orts- oder Jubiläumsheft. Aber es ist auch freier. Wir konnten weit reisen – mit dem Weltstrahlungszentrum in Davos sogar bis ins All. Blau in Graubünden ist mehr als der Himmel hergibt.
Ich wünsche Ihnen gute Lektüre.
Julian Reich
Redaktionsleiter
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