2012/2 Veltlin 1512

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2012/2 Veltlin 1512

Veltlin 1512

Nach 300 Jahren auf die Strasse gestellt
Wort der Redaktion Markus Joos

Hauptthemen

Die Ereignisse von 1512 und ihre Bedeutung
Text: Florian Hitz

Im Jahr 1512 eroberten die Bündner ein Untertanengebiet im Süden: das Veltlin mit den beiden Grafschaften «Cleven» (Chiavenna) und «Worms» (Bormio). Sie gewannen damit bevölkerungsreiche und wirtschaftliche starke Gebiete. Aber sie handelten sich auch fast unlösbare strategische Probleme ein.

Die Politik zum Geschäft gemacht
Text: Silvio Färber Fotos: Rolf Canal

Die Ämter in den einstigen Untertanenlanden waren bei der Bündner Oberschicht sehr begehrt. Nicht nur, weil damit viel Prestige verbunden war, sondern auch, weil sich leicht gutes Geld machen liess. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich damit zunehmend ein schwunghafter Handel, bei dem die Ämter oft an den Meistbietenden verkauft wurden.

Wirtschaftlicher Austausch zwischen Norden und Süden
Text: Arno Lanfranchi Fotos: Rolf Canal

Nicht erst seit der Besetzung des Veltlins durch die Drei Bünde im Jahr 1512 bestanden mit dem Süden enge wirtschaftliche Beziehungen. Ein wirtschaftlicher Ausgleich zwischen Berg- und Talgebieten war schon aufgrund der unterschiedlichen klimatischen und topografischen Verhältnisse notwendig.

Zwischen Graubünden und Venedig
Text: Martin Bundi Fotos: Stefan Barandun / Markus Joos

Im 16. Jahrhundert stand das Veltlin im Kreuzfeld der bündnerischen Verkehrs- und Handelspolitik. Zur Wirtschaftsförderung waren sowohl der Dreibündestaat wie auch Venedig bemüht, die Strassen und Wege sowie die Verkehrsinfrastrukturen (Rastplätze, Brunnen, Susten, Wirtshäuser) über die Alpenpässe nach dem neusten Stand der Technik auszubauen.

Neue Kooperation auf historischer Basis
Text: Cassiano Luminati

Die italienische Provinz Sondrio und die Bündner Talschaften Bergell und Puschlav pflegen heute auf institutioneller Ebene wie auch in der Wirtschaft und im kulturellen Bereich eine enge Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. Damit leben jahrhundertlange Beziehungen wieder auf.

Die «Ketzergefahr» wurde erfolgreich bekämpft
Text: Erich Wenneker

Die Anfänge der Reformation im Veltlin und in der Valchiavenna liegen weitestgehend im Dunkeln. Die bisherigen Forschungen haben deutlich gezeigt, dass die Reformation in den Bündner Untertanenbewegungen anders als in Teilen des Freistaates keine Volksbewegung war. In keiner einzigen Gemeinde konnte die Reformierten die Mehrheit in der Bevölkerung erreichen.

Zeugen von 300 Jahren Bündner Herrschaft im Veltlin
Fotos: Rolf Canal und Markus Joos

Handfeste wirtschaftliche Interessen führten 1512 zur Besetzung des Veltlins und der Grafschaften Chiavenna und Bormio durch die Drei Bünde. Als dann 1798 die Französische Revolution Europa veränderte, konnten sich die Bündner jedoch nicht entschliessen, die Untertanenlande als vierten Bund aufzunehmen. Und am Wiener Kongress von 1815 gingen die Besitzungen endgültig verloren. Bündner Spuren gibt es aber in den drei Regionen noch heute zuhauf.

Zwischen bäuerlicher Abschottung und herrschaftlichem Transfer
Text und Fotos: Diego Giovanoli

Der Austausch in Sachen Baukultur zwischen dem Veltlin und den Drei Bünden war zeitweise beachtlich. Vor allem in Richtung Norden. Viele Baukünstler aus dem Veltlin arbeiteten zwischen 1512 und 1797 auf dem Gebiet Alt Fry Rätiens, umgekehrt waren aber kaum Bündner im besetzten Landesteil tätig.

Vom wärmenden Herzen des alpinen Hauses
Text: Marc Antoni Nay

Die Stube ist in Graubünden kulturelles Allgemeingut, und dies schon seit langer Zeit. Wie sieht es diesbezüglich in der südlich benachbarten Provinz Sondrio aus, in Bormio, Chiavenna und im Veltlin? Gibt es Gemeinsamkeiten, Unterschiede? Im Folgenden vergleichen wir Stuben im Veltlin mit solchen in Graubünden und versuchen so, Antworten auf die gestellten Fragen zu finden.

Pro Rätia Mitteilungen Nr. 1/2012


Gasette:
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Magazin

Ein Bündner Schloss in Südtirol?
Text: Reto Fetz

Wer den bekannten Südtiroler Kurort Meran durchstreift, wird im Stadtteil Obermais auf ein geheimnisvolles Schloss stossen. Es heisst Planta und erinnert an eine Adelsfamilie, die über 500 Jahre die Geschicke Graubündens mitgeprägt hat.

Den Orgelklängen Graubündens auf der Spur
Text: Franco Brunner

Begegnung – Mit der Organistin Annerös Hulliger. Sie ist Bernerin, doch so richtig zu Hause führt sie sich in der Bündner Orgellandschaft. Die Organistin Annerös Hulliger beehrt den Kanton nicht nur immer wieder mit ihren Klangreisen, im vergangenen Jahr hat sie die verschiedenen Klänge der Bündner Orgeln gar auf einer Doppel-CD festgehalten.

Reste von Alt-Surlei am Ufer des Silvaplanersees
Text: Katharina von Salis

Geschichte – Überschwemmungsfunde aus rostigem Eisen. Aufmerksame Zeitgenossen und Spaziergängerinnen kennen die Via Ruinas in Surlej und haben die noch erhaltenen Häuserruinen dort gesehen. Viele Einheimische und die meisten Gäste von Surlej, da noch vor 60 Jahren nur aus einigen wenigen Häusern und Ruinen bestand, ahnen jedoch nichts von der langen, ereignisreichen Geschichte ihre Wohn- oder Ferienortes. Rostiges Eisen, das immer wieder am nahen Ufer des Silvaplanersees gefunden wurde, dürfe dorthin verfrachtet worden sein, als der Surlejbach samt Geschiebe das damalige Bauerndorf immer wieder überschwemmte und zerstörte.

Wenn der äussere Weg zur inneren Reise wird
Text und Fotos: Marysia Morkovska

Wandern – mit geschärften Sinnen auf der Via Spluga. Die viertägige Wanderung auf der Via Spluga paart urwüchsige Natur mit reichem kulturellem Schaffen. Für den kleinen Veranstalter «achtsamunterweg.ch» ist sie der ideale Ort, um innere Ruhe zu tanken. Gewandert wird schweigend, was die Sinne schärft.

«Am 18. April kommt er, am 19. Muss er kommen»
Text: Heini Hofmann

Natur – der Kuckuck, ein gefiederter Sonderling. «Kuckuck, kuckuck» - alle freuen sich, wenn das ornithologische Frühlingssignet der wohlklingende Doppelruf des Kuckucks, zum ersten Mal ertönt. Doch nicht nur dieser Ruf machte die Galionsfigur der Kuckucksuhr berühmt, sondern auch sein exzentrisches Verhalten als Brutschmarotzer, der seine Eier in fremde Nester legt. Heute gerät der gefiederte Sonderling zunehmend in Existenzschwierigkeiten.