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ORIGEN
Zelten auf dem Julierpass? Origens temporäre Bühne für «Hannibal». (Bild: Stefan Kaiser)
Irgendwann schmerzt das Zusehen. Nicht weil es schlimm anzuschauen wäre, nein, im Gegenteil: Weil es so schön ist. Weil es so grausig ist. Weil es die Augen betört und das Gemüt aufwühlt, was da vor uns passiert, mal einen Meter entfernt, mal 150, 200 Meter in der Ferne. So tief wie diese ist keine Bühne, so tief auch selten ein Stück. Gerade weil es so schön ist und zugleich so voller Gewalt.

Die Welt im Surses

Über 20 Jahre gibt es Origen nun schon. Was als kleines Freilichttheater in Riom begann, ist heute ein international beachtetes Festival, das jeden Sommer Tausende auf den Julierpass und ins Surses lockt. In diesem Jahr wagt sich Origen an einen der grössten Stoffe der Antike: Hannibal, der karthagische Feldherr, der mit seinen Elefanten über die Alpen zog, um Rom herauszufordern.

2026 ist es Rom, das Origen thematisch umtreibt – und mit Rom die Frage, was Macht und Krieg aus Menschen machen. Die temporäre Bühne auf 2284 Metern über Meer, mitten in der alpinen Landschaft, wird zum Schauplatz eines Kriegs, der vor über 2000 Jahren stattfand und doch erschreckend aktuell wirkt.

Zelten auf dem Julierpass? Origens temporäre Bühne für «Hannibal». (Bild: Stefan Kaiser)

Wie unmöglich es ist, sich in einem Krieg nicht schuldig zu machen, zeigt die Inszenierung eindrücklich. Es gibt keine Guten und keine Bösen, nur Menschen, die zwischen Pflicht, Ehre und Überleben zerrieben werden.

Der Schrecken kriecht unter die Decke

Das ist eine philosophische Frage, die sich durch den ganzen Abend zieht: Wie weit würde man selbst gehen? Die Inszenierung stellt sie nicht plakativ, sondern lässt sie im Publikum nachwirken, während die Kälte des Julierpasses langsam unter die Jacken kriecht.

Weit weg ist uns der Krieg – und doch, an diesem Abend, auf dieser Bühne, kommt er näher als einem lieb ist. Die Gewalt wird nie explizit gezeigt, sondern angedeutet, in Bewegung, Licht und Klang übersetzt. Das macht sie umso eindringlicher.

Das zeitgenössische Freilichtspiel

Ein grossartiges, international besetztes Ensemble trägt die knapp zweistündige Aufführung. Getanzt, gesungen und gespielt wird auf mehreren Ebenen der Naturbühne gleichzeitig, mal nur einen Meter vom Publikum entfernt, mal weit hinten am Hang.

Und mit diesen bewältigen sie Distanzen, wie man sie aus dem klassischen Theater nicht kennt: Die Bühne ist so tief wie kaum eine andere, und diese Tiefe wird choreografisch genutzt, um die Weite des Feldzugs spürbar zu machen.


Berg- statt Ballettschuhe: Die Tänzerinnen und Tänzer bewegen sich auf Holz- und Naturbühne. (Bild: Stefan Kaiser)

 

Weitere Infos

 

Aufführungen

4./5./13./14./15./21./22. August, jeweils um 20.00 Uhr. Eine Einführung findet an jedem Vorstellungstag um 17.00 Uhr in Mulegns statt. Infos und das restliche Programm unter www.origen.ch